Integration

Helferkreis ASYL Holzkirchen

Wer wir sind?
Der Helferkreis hat sich durch eine Koordinationsgruppe organisiert und betreut Asylsuchende und frisch anerkannte Flüchtlinge.

„Helfen“ heißt:
Wir tun das, was wir uns von Menschen in anderen Ländern wünschen würden, wären wir selbst auf der Flucht!

Eine unserer grundsätzlichen Einstellungen und Forderungen ist:
Wir wollen keine priviligierte Behandlung von Flüchtlingen, aber auch keine Schlechterstellung.

Unsere Hilfe:

  • Generelle Hilfe beim Zurechtfinden in Deutschland und in unserem Ort Holzkirchen
  • Deutsch-/Nachhilfeunterricht und Hilfe bei der Vorbereitung auf Sprachprüfungen
  • Kommunikation mit Behörden (Landratsamt, BAMF, Gemeinde…) oder bei Arztbesuchen und Krankenhausauftenthalten
  • Hilfe bei der Arbeitssuche und Arbeitsaufname
  • Gemeinsame Freizeitaktivitäten (Ausflüge, Spielabende…)
  • Sportangebot – derzeit wegen mangelnder Sportstätten nicht möglich
  • Patenschaften für einzelne Flüchtlinge (A-Mentor-Programm)
  • Zusammenarbeit mit den Asylsozialarbeitern und Migrationsberatern

Manches Mal hilft es auch, einfach nur da zu sein und zuzuhören, damit sich ein Flüchtling den Kummer und die Sorgen von der Seele reden kann.

Damit jeder Helfer sich mit überschaubarem Aufwand dort engagieren kann, wo er möchte, ist unser Helferkreis in Arbeitsgruppen aufgeteilt. Zuzeit betreuen wir, nach Auflösung der Traglufthalle, ca. 60 Flüchtlinge und Migranten in Holzkirchen.

Rückblick – Ausblick

Seit September 2014 leben Menschen aus Krisengebieten im Markt Holzkirchen. Ins „Containerdorf“ an der Erich-Kästner-Straße kamen die ersten Flüchtlinge.

Als der große Flüchtlingsstrom 2015 begann, wurde die Föchinger Turnhalle als vorübergehende Unterkunft bereitgestellt. Im Frühjahr 2016 zogen die Bewohner in eine Traglufthalle im „Moar-Hölzl“ um. Nach einem Jahr wurde die Traglufthalle aufgelöst, die Bewohner in die alte Polizeistation (in der Frühlingsstraße), nach Penzberg und in Unterkünfte im Landkreis Miesbach verteilt.

Das Containerdorf an der Erich-Kästner-Str. wurde im August 2019 aufgelöst und die Bewohner landkreisintern verteilt.

 

Die Bereitschaft der Holzkirchner, zu helfen, war riesig!

Anfangs mussten die Geflüchteten nur mit dem Notwendigsten versorgt werden. Radl- und Kleiderspenden mussten verwaltet, Mülltrennung, Öfen und Waschmaschinen erklärt werden. Einkaufen und Kochen waren für die Geflüchteten große Herausforderungen, zumal die nächsten Geschäfte mit ihnen bekannten Lebensmitteln nur in München oder Miesbach erhältllich waren.

Die Hauptanliegen der Deutschen: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Umgang mit der Umwelt und Mülltrennung sind Begriffe, von denen sie noch nie etwas gehört hatten, oder meinten, dies nicht Ernst nehmen zu müssen.

Wer nicht Englisch sprach, konnte meist unsere lateinische Schrift nicht lesen. Wir mussten erkennen, dass, wenn Jemand unsere Schrift nicht lesen kann, der/diejenige deshalb nicht dumm ist. Wir haben von Sprachen erfahren, von denen wir noch nie gehört hatten: Urdu, Dari, Tigryn, Swahili. Pashtu, Lingala, Kikongo, Ssemwanga usw.

Die Deutschkurse der Ehrenamtlichen wurden anfangs gerne angenommen. Als die Absagen des Bundesamtes kamen, nahm die Motivation sehr nach. Später konnten wir viele wieder motivieren, ihre Zeit hier zu nutzen, Deutsch zu lernen. Zur Zeit sind in der ehemaligen Polizeistation, in der Frühlingsstraße, an 5 Tagen in der Woche Ehrenamtliche bemüht, den Geflüchteten kostenlos Deutsch zu lehren. Sie unterstützen Berufsschüler bei Hausaufgaben, oder sind einfach nur da, um Fragen zu beantworten.

Verschiedene Herkunftsländer, Fluchtgründe, Religionen und ihre Vorbildung waren Herausforderungen, mit denen wir Helfer und offensichtlich auch die Ämter nicht gerechnet hatten. Dazu kamen der unsägliche Papierkrieg, das Unverständnis, dass Asylverfahren sehr lange dauern und manche Asylbewerber nicht arbeiten dürfen.

Karl Valentin: „Ein Fremder ist nur in der Fremde fremd!! Er ist nur so lange fremd bis er alles kennt, dann ist ihm nichts mehr fremd. Weil jeder Fremde, der sich fremd fühlt, ein Fremder ist und zwar so lange, bis er sich nicht mehr fremd fühlt, dann ist er kein Fremder mehr.“

Lisl Karstadt: Es kann aber auch einem Einheimischen etwas fremd sein!

Wir lernten zu unterscheiden, zwischen Asylbewerbern und anerkannten Geflüchteten. Begriffe wie „subsidiärer Schutz“ , „Dublin-Verfahren“ und „Duldung“ – eine widersprüchliche Bezeichnung = Aussetzung der Abschiebung

In den Unterkünften erfuhren wir immer eine große Gastfreundschaft, da in den meisten Herkunftsländern das Gastrecht Heilig und der Gast König ist. Es war für sie selbstverständlich, uns zum Essen oder einen Tee einzuladen. Wir lachten mit ihnen, feierten mit ihnen die muslimischen Feiertage – und wir fühlten mit ihnen als sie traurige Nachrichten von zuhause erhielten.

Leider wurde durch die Änderung der Hausordnungen und Entfernung der Stühle in den Küchen der Unterkünfte diese Möglichkeiten zum gegenseitigen Kennenlernen erschwert.

Viele Helfer kamen plötzlich nicht mehr, weil sich die Art der Hilfsbedürftigkeit änderte, dachten, dass ja jetzt das Notwendigste getan ist, wollten, oder konnten sich eh nur für eine bestimmte Zeit engagieren. Die Anderen engagieren sich persönlich im Patenprogramm A-Mentor der Bürgerstiftung Holzkirchen. Allen gebührt unendlicher Dank, haben sie doch in einer sehr schwierigen Zeit zur Bewältigung einer großen Herausforderung im Land beigetragen.

Mein Anliegen ist unter anderem, dass die Bevölkerung weiß, was mit den Geflüchteten und Anerkannten wirklich passiert, wie mit ihnen umgegangen wird und viele aus der Bevölkerung Geflüchtete kennenlernen um Vorurteile abzubauen. Die Unterbringung und die Integration von Flüchtlingen ist eine große Herausforderung, die uns, die Flüchtlinge und den Staat noch lange beschäftigen wird.

Viele werden es alleine niemals schaffen.

Balbine Greithanner

Helferkreis Asyl Holzkirchen

 

 

Balbine Greithanner

Balbine Greithanner

E-Mail: greithanner@bs-hoki.de